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Deutsche und Französische Flaggen

Forschungskooperation zwischen Deutschland und Frankreich

Deutsche und französische Forscher werden künftig intensiver zusammen arbeiten. Vor allem bei der Gesundheit, der Biotechnologie, der Umweltforschung, in den Sozialwissenschaften sowie bei den wichtigen nichtenergetischen Rohstoffen und Höchstleichnungsrechnern. Bundesforschungsministerin Annette Schavan hat auf dem deutsch-französischen Ministerrat in Paris ein entsprechendes Abkommen unterzeichnet. 2012 werden in einen deutsch-französischen Forschungsfonds 27 Millionen Euro fließen. Es geht darum, die Akteure in den Forschungslandschaften von Deutschland und Frankreich weiter zu vernetzen. Frankreich ist unter den europäischen Ländern der wichtigste Partner Deutschlands.

Politischer Rahmen der wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit

Deutschland und Frankreich blicken auf eine lange Tradition der Zusammenarbeit in Bildung, Wissenschaft und Forschung zurück. Heute stammen nahezu 50 Prozent aller Ausgaben für Forschung und Entwicklung von deutschen und französischen Unternehmen und Steuerzahlern. Mit diesem Geld arbeiten Regierungen, Wissenschaftler und Unternehmer in beiden Ländern an Lösungen für die großen gesellschaftlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.
 

Deutsch-Französischer Ministerrat

Seit dem 40. Jahrestag des Elysée-Vertrags im Jahre 2003 vereinbaren die Forschungsministerien beider Länder gemeinsame Arbeitsprogramme, sog. "feuilles de route", die regelmäßig für die zweimal jährlich stattfindenden Gemeinsamen Ministerräte aktualisiert werden. In diesen Arbeitsprogrammen werden kurz- und mittelfristige Kooperationsziele in ausgewählten, für beide Länder prioritären Forschungsgebieten definiert.

Im Rahmen des 14. Deutsch-Französischen Ministerrats haben Bundesforschungsministerin Annette Schavan und ihr französischer Amtskollege Laurent Wauquiez am 6. Februar 2012 weitere Maßnahmen zur Vertiefung der deutsch-französischen Zusammenarbeit in Forschung und Technologie beschlossen. Auf Ebene der Ministerien, Forschungsorganisationen, Hochschulen und Unternehmen werden Kräfte gebündelt, um gemeinsam den Herausforderungen der Zukunft zu begegnen.   Auf dem 12. Deutsch-Französischen Ministerrat am 4. Februar 2010 in Paris hatten die Regierungen beider Länder die "Deutsch-Französische Agenda 2020" beschlossen. Sie beschreibt den Rahmen und die Ziele für die Gestaltung der bilateralen Zusammenarbeit der nächsten Dekade. Im Rahmen dieser Agenda, die insgesamt 80 Projektvorschläge für die Vertiefung der deutsch-französischen  Zusammenarbeit in den kommenden zehn Jahren auf wichtigen politischen Gebieten wie der Wirtschafts- und Finanzpolitik, der Energie- und Klimapolitik, der Außen- und Sicherheitspolitik enthält, bildet die Bildungs-, Forschungs- und Innovationspolitik einen bedeutenden Schwerpunkt. Im Hinblick auf die Europäische Forschungspolitik wollen beide Länder bei der Vorbereitung des 8. Forschungsrahmenprogramms miteinander kooperieren.
 

Foren zur Deutsch-Französischen Forschungskooperation

Von herausragender Bedeutung sind auch die seit 2002 regelmäßig stattfindenden Foren zur Deutsch-Französischen Forschungskooperation. Ziel der Foren ist es, sich auf hochrangiger Ebene über forschungs- und innovationspolitische Strategien abzustimmen. Nach den Foren in Paris (2002) und Potsdam (2005) fand am 29. Februar 2008 das 3. Forum in Paris statt. Dort haben sich die forschungspolitischen Akteure beider Länder über Themen von strategischem Interesse auf bilateraler, europäischer und multilateraler Ebene verständigt.

Schwerpunkte des Forums waren:

  • Klimawandel in besonders betroffenen Regionen (insbesondere Afrika)
  • Forschungspolitische Strategien auf europäischer Ebene
  • Bilaterale Kooperation auf dem Gebiet der Forschungsinfrastrukturen (FIS)
  • Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.

Zusätzlich wurden die Perspektiven einer verstärkten Kooperation zwischen deutschen und französischen Forschungs- und Förderorganisationen am Beispiel folgender Partnerschaften diskutiert: Max-Planck-Gesellschaft (MPG) und "Centre national de la recherche scientifique" (CNRS), Helmholtz-Gemeinschaft und "Commissariat à l'Energie Atomique" (CEA), Deutsches Krebsforschungszentrum und Inserm, Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) und Ifremer, Leibniz-Gemeinschaft und "Institut national de la recherche agronomique" (INRA), Fraunhofer-Gesellschaft und "Association des instituts Carnot" sowie Deutsche Forschungsgemeinschaft und "Agence Nationale de la Recherche (ANR).

Im Rahmen des Forums wurden Vereinbarungen über strategische Partnerschaften zwischen dem Forschungszentrum Jülich und dem CEA, zwischen der Leibniz-Gemeinschaft und dem INRA sowie der Fraunhofer-Gesellschaft und der "Association des instituts Carnot" unterzeichnet. Im Mittelpunkt der Partnerschaften stehen die Themen Höchstleistungsrechnen, neue Technologien im Energiesektor und in den Nanowissenschaften, Sequenzierung des Weizen- und Gerstengenoms, Ernährung sowie Forschung und Entwicklung mit der Industrie.

Den Abschluss des Forums bildete die Verleihung des Gay-Lussac-Humboldt-Preises an hervorragende deutsche und französische Wissenschaftler, die durch ihre exzellente Forschungsarbeit zu einer Stärkung der deutsch-französischen Forschungskooperation beigetragen haben. Dieser Preis wurde 2010 zum 25. Mal verliehen.

4. Forum zur Deutsch-Französischen Forschungskooperation

Am 12. und 13. Oktober 2011 fand in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Anwesenheit von Bundesministerin Schavan und ihrem französischen Amtskollegen Laurent Wauquiez das 4. Forum zur Deutsch-Französischen Forschungskooperation statt. Im Vordergrund des Forums standen Themenbereiche, die in beiden Ländern durch nationale Prioritätenfindungsprozesse ("Stratégie nationale de recherche et d'innovation" und Hightech-Strategie) gleichermaßen hohe Beachtung erfahren. Im Rahmen des Forums tagten zwölf bilaterale Arbeitsgruppen; zugleich wurden Vorhaben der vom 12. Deutsch-Französischen Ministerrat verabschiedeten "Deutsch-Französischen Agenda 2020" umgesetzt.

Schwerpunkte der Kooperation

Auf der Ebene der Fachthemen und Projekte gibt es vielfältige Kooperationsbeziehungen. Schwerpunkte bilden die Bereiche Informations- und Kommunikationstechnologie und Biowissenschaften und -technologie. Weitere deutsch-französische Forschungsfelder sind Eigenschaften der Materie, Neue Materialien, Umwelt- und Klimaforschung, Gesundheit und Medizin sowie Geistes- und Sozialwissenschaften.

Höhepunkte der bilateralen Zusammenarbeit

Deutschland und Frankreich wollen ihre Anstrengungen zur Anpassung an globale Umweltveränderung wie den Klimawandel koordinieren. Dazu wurde beschlossen, zwei Spitzenforschungsinstitute, das "Institute for Advanced Sustainability Studies"(IASS) in Potsdam und das "Hôtel des sciences pour le développement soutenable" (HSDS) in Paris zu etablieren. Darüber hinaus sind beide Länder im Rahmen der Wissens- und Innovationsgemeinschaften (KIC) des Europäischen Instituts für Innovation und Technologie (EIT) am KIC zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel (Climate-KIC) und zur Nachhaltigen Energie (KIC InnoEnergy) beteiligt.

Deutschland und Frankreich verstärken ihre Kooperation im Bereich des Höchstleistungsrechnens für die Bearbeitung wissenschaftlicher Fragestellungen auf zahlreichen Gebieten (Teilchenphysik, Klimaforschung, Astronomie, Energie, Lebens- und Nanowissenschaften).

Ein weiteres Beispiel enger Zusammenbereich ist der Bereich der Biowissenschaften und insbesondere die Pflanzenbiotechnologie, in der eine enge Zusammenarbeit zwischen den nationalen Programmen "GABI" und "Génoplante" zur Pflanzengenomforschung stattfindet. Bereits zwei gemeinsame Ausschreibungen wurden durchgeführt. Die zweite Ausschreibung zielte auf anwendungsorientierte Projekte mit Industriebeteiligung.
Beide Länder kooperieren auch im Rahmen des Europäischen Strategieforums für Forschungsinfrastrukturen (ESFRI). Frankreich ist insbesondere an den Projekten einer Röntgenlaseranlage (XFEL) in Hamburg beteiligt und an FAIR, einer Quelle für die Schwerionenforschung in Darmstadt.

Deutschland und Frankreich arbeiten im Rahmen europäischer Programme (7. EU-Forschungsrahmenprogramm, COST, EUREKA) zusammen. Die im Rahmen dieser Programme von Wissenschaftlern, Forschungsinstituten und -organisationen, Hochschulen und Industrie eingereichten Projektvorschläge sollen die forschungspolitischen Synergien zwischen beiden Ländern fördern.

Die Deutsch-Französische Hochschule (DFH) mit Sitz in Saarbrücken ist ein Verbund von 180 Mitgliedshochschulen aus Deutschland und Frankreich und fördert insbesondere den Aufbau gemeinsamer Studiengänge. In Kooperation mit der DFG unterstützt die DFH auch die Etablierung gemeinsamer Graduiertenkollegs.

Das BMBF fördert gemeinsam mit den französischen Ministerien für auswärtige und europäische Angelegenheiten sowie für Hochschulen und Forschung das Centre Marc Bloch, ein Deutsch-Französisches Forschungszentrum für Sozialwissenschaften, mit Sitz in Berlin.

Hervorzuheben ist auch die Zusammenarbeit in der Berufsbildung. Seit 1980 bestehen die Deutsch-Französische Expertengruppe in der beruflichen Bildung und das Deutsch-Französi-sche Sekretariat für den Austausch in der beruflichen Bildung in Saarbrücken, dem größten bilateralen Austauschprogramm des BMBF mit jährlich mehr als 4000 deutschen und französischen Auszubildenden (www.dfs-sfa.org).

Besondere Aktivitäten der Förder- und Mittlerorganisationen

Die Kooperationsprogramme mit Frankreich sind zahlreich. An dieser Stelle seien nur die wichtigsten genannt.

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) hat neben den Förderprogrammen für Studenten und Graduierte eine Reihe von Sonderprogrammen zum Ausbau der deutsch-französischen Beziehungen aufgelegt, so zum Beispiel das Programm PROCOPE (Projektbezogener Personenaustausch mit Frankreich), durch das die grenzüberschreitende wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern in Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen beider Länder unterstützt wird. Im Auftrag des BMBF betreut der DAAD auch das gemeinsame Austauschprogramm in der Krebsforschung.

Der seit 1981 jährlich vom französischen Forschungsministerium gemeinsam mit der Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) verliehene Preis "Gay-Lussac/Humboldt" würdigt die Verdienste von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern um die deutsch-französische Zusammenarbeit in Forschung und Lehre.

Die besonders engen Beziehungen zu Frankreich schlagen sich in einer Vielzahl von Partnerschaften und Abkommen, insbesondere auch auf der institutionellen Ebene nieder. So haben inzwischen alle deutschen Wissenschaftsorganisationen Kooperationsvereinbarungen mit dem CNRS, der größten französischen Forschungsorganisation, abgeschlossen.

Die Deutsch-Französische-Gesellschaft für Wissenschaft und Technologie (DFGWT) unterstützt das BMBF in der Gestaltung der bilateralen Kooperation mit Frankreich.

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